Kinopolis? Lieber nicht mehr
Wir waren kürzlich im Kino, und weil das Savoy (unser Stammkino) schon recht ausgebucht war, versuchten wir mal das Kinopolis in der HafenCity. Die Buchungswebseite versprach zwar nicht wörtlich, aber schon vom Eindruck und den Schlagwörtern her (Bar, Relax-Sessel, etc.) ein Erlebnis wie das Odeon in London.
Wer das nicht kennt: Das Odeon ist ein, ahem, Luxus-Kino. Man sitzt in Sesseln, die sich quasi komplett in Liegen umwandeln lassen, angeordnet in Zweiergrüppchen mit viel Platz zur nächsten Gruppe, Tabletthaltern damit man die Snacks nicht auf dem Schoß balancieren muss. Vorne gibt es eine richtige Bar, eine Garderobe, und so weiter.
Das Kinopolis ist das... nicht so.
Die Relax-Sessel sind tatsächlich einfach nur die erste Reihe, die aus der Puren Not [tm] heraus als Liegen ausgeführt ist, damit man keinen steifen Hals bekommt. Konsequenterweise lassen sie sich auch nicht verstellen, sondern sind eben einfach nur Liegen.
Die Sicht auf die Leinwand ist dennoch eher bescheiden, man sitzt einfach zu nah dran, und alles ist irgendwie verzerrt. Dafür dann auch noch den "Relax-Sessel-Aufpreis" zu verlangen ist schon unverschämt.
Ton- und Bildqualität waren ansonsten 1a, da kann man nicht meckern.
Und der Rest vom Kino"erlebnis"?
Naja. Das geht damit los, dass das Kinopolis in der Westfield Mall der HafenCity ist. Das ist eines der seelenlosesten Konsumgebiete der Stadt, wenn Ihr mich fragt. Am Wochenende natürlich voll von Pinnebergern[^1] und Touristen.
Die Läden sind die bekannten Ketten, und man muss sich erst durch den Food Court quälen, bevor man am Kino selbst ist.
Das ist dann auch weniger "premium" und mehr "wir maximieren den Durchfluss mit minimalen Personaleinsatz": Bildschirmkioske überall, und die Snackbar hat quasi nur Popcorn und Nachos, weil das eben einfach en gros portionier- und verkaufbar ist.
Mittendrin wollte dann noch wer aufs Klo und hat den Notausgang statt den richtigen Ausgang genommen. (Dies Schilder sind an beiden die gleichen) Und damit den Türalarm ausgelöst, der dann so 5-10m vor sich hin piepte, bis mal wer vom Personal vorbeischaute..
Und jetzt der Kicker: Ich hab die Karten online gekauft. Und bei solchen Abschlüssen gebe ich NIE die Erlaubnis für Newsletter oder ähnliches. Ein Kundenkonto hab ich auch nicht angelegt.
Dennoch kam zwei Tage nach dem Kinobesuch erst mal eine "hey, kannst Du uns bewerten?" Email und heuer dann auch nochmal der allgemeine Filmempfehlungs-Newsletter.
Bei Betätigung des "Abbestellen"-Knopfs wird dann auch gezielt darauf hingewiesen, dass man damit genau nur diese Kategorie von Newsletter abbestellen würde. Welche es sonst noch gibt, und ob man die bekommen würde verrät das Tool einem nicht. Das Dark Pattern hier ist, dass die Firmen hier gefühlt drölfzig verschiedene obskure Kategorien haben, und auch gerne mal neue hinzuerfinden. Denkt an so Späße wie "Action-Filmempfehlungen" vs "Filmempfehlungen voller Dynamik".
Das formale DSGVO-Schreiben zwecks Datenauskunft und -löschung ist raus. Die sehen mich nie wieder.
[^1]: Die von eingeborenen Hamburgern abfällige Bezeichnung für das Landvolk aus dem Speckgürtel. Sorry Pinneberg! :)