Ork'sche Technologieeinschätzungen
Jede Technologie, die menschliche Arbeit wegautomatisiert, finde ich grundsätzlich erst einmal gut!
Vor Jahren sah ich in einem Hamburger Punkrock-Schuppen einen Aufkleber:

Und ich muss sagen, der Aufkleber hat den Nagel auf den Kopf getroffen: Jede Technologie, die menschliche Arbeit wegautomatisiert, finde ich grundsätzlich erst einmal gut!
Warum sollten wir schuften, wenn eine Maschine das womöglich besser und schneller kann? Selbst wenn sie nicht schneller ist - die Maschine kann das 24 Stunden am Tag machen, es reicht also, wenn sie nur mit einem Drittel der menschlichen Geschwindigkeit arbeitet.
Und es muss auch gar nicht unbedingt sofort besser sein, gut genug reicht für den Anfang auch völlig.
Der Knackpunkt ist also nicht die das, was die Technologie produziert, sondern wen sie bereichert und wen (oder was) ihr Gebrauch ausnutzt. Insofern differenziere ich zwischen "Technologie" und "Produkt" bzw. "Anwendung".
Ein Beispiel:
Kernspaltung und Kernfusion sind Technologien - Atomkraftwerke und -bomben sind Produkte und Anwendungen. Ich bin dafür ersteres weiter zu beforschen (schon alleine, damit zukünftige Generationen wissen, wie sie mit dem Müll umgehen müssen, den wir ihnen hinterlassen), aber dagegen, die genannten "Produkte" einzusetzen oder gar neu zu bauen.
Deswegen finde ich Argumente wie "Aber die Arbeitsplätze!" oder "Das Ergebnis ist schlechter oder gefällt mir nicht" als Argumentationsgrundlage gegen eine Technologie an sich eher unbrauchbar.
Natürlich soll man aufzeigen, wenn ein Ergebnis schlechter ist, als das "Handgemachte". Aber das ist dann ein Aufruf zur Verbesserung der Technologie, nicht dazu, diese überhaupt nicht zu verwenden. Es gibt zig Umstände, in denen auch ein objektiv schlechteres Ergebnis völlig akzeptabel ist. Und Arbeitsplätze müssen nicht um jeden Preis erhalten werden.
Natürlich ist es blöd, wenn ich als Bergarbeiter meinen Arbeitsplatz in der Kohlenmine verliere, aber wir haben bessere und sauberere Energiequellen, und niemand sollte für die schlechtere Energiequelle Gesundheit und Leben riskieren müssen, nur damit man "einen Arbeitsplatz hat."
Auf der anderen Seite ist es unsere Pflicht als Gesellschaft dafür zu sorgen, dass die Gewinne von neuen Technologien auch überall in der Gesellschaft ankommen, und eben auch da, wo die neue Technik alte Berufsbilder verdrängt.
Stattdessen sehen wir leider eine zunehmende Konzentration von Reichtum und Kapital bei immer weniger Menschen und Organisationen. Gewinne werden konzentriert, während die Kosten von der schwächeren Mehrheit aufgebürdet werden.
Und wir müssen dafür sorgen, dass Kulturtechniken erhalten werden. Vor allem natürlich die, die wir benötigen, damit Neues entstehen kann, aber auch diejenigen, die uns helfen, uns unserer Wurzeln zu erinnern, kritisch auf die Welt zu schauen, und auch die, die uns Halt geben.
Das alles ist kein Problem der Technologie, sondern ein Problem der Strukturen unserer Gesellschaft. Und es ist ein ernsthaftes Problem, und ich kann verstehen, dass man auf dem Weg zur Lösung dieser Probleme auch erstmal bestimmte Technologien boykottiert, weil ihre Vermarktung eben derzeit die Gesellschaft nicht besser macht.
Dennoch halte ich es gleichzeitig für wichtig, über die Technik an sich zu sprechen und sie weiter zu erforschen um die Implikationen zu verstehen. Denn nur so kann man konstruktiv daran arbeiten, sie für die breite Gesellschaft gewinnbringend einzusetzen.
Denn diese Diskussion muss geführt werden, denn wenn wir weiterhin Technologie nur einsetzen, damit sie den 1% nützt, dann verlieren wir 99%. Wir müssen also darüber sprechen, wie wir umverteilen, wie wir die Risiken und Kosten tatsächlich bewerten, und wie wir einen Ausgleich für die schaffen, auf deren Arbeit die Ergebnisse beruhen, und die nun wegautomatisiert werden.
Denn die Automatisierung an sich ist das, was wir anstreben sollten - aber nicht die Ausbeutung und Marginalisierung von Menschen. Anders kommen wir dem Ideal des Fully Automated Luxury Gay Space Communism nicht näher.
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